Muhammad Ali
Cassius Clay alias Muhammad Ali war weit mehr als nur ein Boxer. Seine Kombination aus Trotz und Witz veränderte den Sound der Zeit ebenso, wie es beispielsweise die Beatles mit ihrem aufrührerischen Pop schafften. Journalisten wie Robert Lypsite von der New York Times sahen damals in dem jungen Schwergewichtler sogar den »fünften Beatle«. Zusammen mit den Liverpooler Musikern stellte Clay sich an die Spitze jener sozialen und kulturellen Umbruchsbewegung, die alle westlichen Länder in den Sechzigern erschüttern sollte. Nach seinem sensationellen Triumph über den als unbesiegbar geltenden Weltmeister im Schwergewicht, Sonny Liston, im Februar 1964 verwandelte Clay den Boxring mehr und mehr in eine globale Pop-Arena. Mit dem Beginn der TV-Ära wurden Alis Boxkämpfe auch in Deutschland zu generationsübergreifenden Weck-Erlebnissen: Väter und Söhne – die Mütter erwärmten sich erst langsam für Alis Ästhetik der Unberechenbarkeit – saßen gemeinsam nachts um drei Uhr gebannt vor dem Fernseher, um die Dramen Ali vs. Liston, Patterson oder Frazier zu verfolgen. Als er nach dreieinhalbjähriger Zwangspause am 8. März 1971 mit seinem ewigen Opponenten »Smokin’« Joe Frazier, dem damals amtierenden Weltmeister, in den Ring stieg, war buchstäblich die halbe Menschheit via Satellitenübertragung bei diesem »Fight of the Century« zu Gast – Ali wurde zum prominentesten Menschen des Erdballs. Waren die Weltmeisterschaftsfights von Max Schmeling noch singuläre Radioereignisse, so wurden Ali-Kämpfe zu weltweiten Freudenfesten am elektronischen Lagerfeuer des Fernsehapparats, die die ansonsten in diesen Jahren immer stärker auseinandertreibenden Generationen noch einmal für die Dauer von 15 Runden vereinten.
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