Gegen das Gift des Hochmuts
In meiner Jugend bin ich mit der Aktion Sühnezeichen nach Auschwitz gepilgert. Wir waren die erste Gruppe junger Deutscher, die im ehemaligen Vernichtungslager gearbeitet hat. Wir waren damit betraut worden, die Grundmauern des sogenannten Weißen Hauses, der ersten Vergasungsstätte in Birkenau, zu suchen und freizulegen. Auf den Feldern um das Gehöft herum hatte die SS die Asche der Ermordeten verstreuen lassen. Nun, 1965, zwanzig Jahre nach dem Krieg, war Gras darüber gewachsen. Doch wenn wir einen Grasboden aushuben, griffen wir in die Asche der ermordeten Menschen. Und zuweilen fanden wir letzte Habseligkeiten, Gebissteile, ein Brillengestell, eine Kindermurmel.
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Konrad Weiß, geboren 1942 im schlesischen Lauban, ist Publizist und mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer. Der DDR-Bürgerrechtler saß für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag und war Mitbegründer der Bürgerrechtsbewegung »Demokratie jetzt«, die er 1989/90 am Zentralen Runden Tisch vertrat. Verdient gemacht hat er sich unter anderem um die Versöhnung mit Polen und das christlich-jüdische Gespräch. Er ist verheiratet, lebt in Berlin und hat drei Töchter.
