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Sozialprotokoll
»Ich soll artig werden und auf Putin hören«

Kolja Mironow (20) studiert in Moskau und demonstrierte gegen die Verhaftung von Alexej Nawalny. Dafür wurde er vorübergehend festgenommen. Protest hat in seiner Familie Tradition.
von Andreas Schindel vom 12.02.2021
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Es war schon ein Uhr nachts, als ich endlich das Polizeirevier verließ. Sie behalten einen absichtlich bis in die Nacht da, damit man alleine nicht mehr nach Hause kommt. Das war am 23. Januar. Ich hatte mich an der Demonstration gegen die Verhaftung von Alexej Nawalny beteiligt. Seit den großen Anti-Korruptions-Protesten im Jahr 2017 gehe ich gegen das Regime auf die Straße. Mit meinen zwanzig Jahren habe ich noch nie einen anderen Präsidenten als Putin erlebt – von seinem Ableger Medwedew mal abgesehen. Die Korruption, die Einschränkung der Versammlungsfreiheit, das soziale Elend in den Regionen – ich bin es leid, dass sich nichts vorwärtsbewegt. Ich stimme Nawalny darin zu, dass das Land eine parlamentarische Republik werden muss. Aus dem Staatsfernsehen sind oppositionelle Meinungen aber so gut wie verschwunden. Dort heißt es immer: Wenn Putin geht, dann wird alles schlecht. Junge Menschen mit liberalen Überzeugungen wie ich informieren sich deshalb nur noch über das Internet.

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