Blickwechsel im Trümmerfeld
Dieses monumentale Werk Anselm Kiefers aus dem Jahr 2009 hängt in einem eigenen Raum in der Pinakothek der Moderne in München, in dem sich insgesamt fünf Exponate des Künstlers befinden. Wie all seine großflächigen Werke zieht es den Betrachtenden an und hält ihn gleichzeitig auf Distanz. Für Kiefer ist das In-Abstand-zur-Welt-Sein, um eine andere Perspektive auf sie einnehmen zu können, ein wichtiges Element seiner Kunst. Das Bild übte auf mich eine fast magische Anziehungskraft aus, als ich ihm das erste Mal gegenüberstand. Mich hatte die Textur in Beschlag genommen. Wie so oft bei Kiefer hat auch dieses Werk durch die Verwendung der Materialen eine fast dreidimensionale Wirkung. Hier handelt es sich um eine Mischung aus Acryl, Öl, Schellack, Sand und Kohlestift. Man ist immer versucht, einmal mit der Hand über die Bildoberfläche zu streichen, um einen noch sinnlicheren Zugang zu bekommen. Viele von Kiefers Bildern haben so einen Sog ins Bild hinein.
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Katharina Ceming ist außerplanmäßige Professorin für Theologie in Augsburg, freiberufliche Autorin und Referentin, außerdem ist sie Redakteurin des Publik-Forum-Weisheitsletters.
