Verkannte Reformatorinnen
Ich habe euch kein Frauengeschwätz geschrieben, sondern das Wort Gottes als ein Glied der christlichen Kirche«, betont 1523 die 31-jährige Argula von Grumbach (1492–1568) in ihrem Brief an die Gelehrten der Universität Ingolstadt. Deren Rektor ist kein geringerer als Luthers schärfster Gegner, Johannes Eck. Mutig verteidigt Argula von Grumbach den jungen Lutheranhänger Arsacius Seehofer. Er wurde von der Universität entlassen und zum öffentlichen Widerruf seiner reformatorischen Aussagen gezwungen. Die belesene Frau, die die Bibel und Luthers Schriften intensiv studiert hat, fordert die Ingolstädter Gelehrten auf, den Fall Seehofer mit ihr öffentlich und auf Deutsch zu diskutieren. Obwohl der Brief unbeantwortet blieb, hatte er dennoch weitreichende Folgen. Ein anonymer Herausgeber liess ihn zusammen mit einem provozierenden Titelbild – siehe die Illustration – drucken.
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