Editorial
Ein Streitgespräch über Friedensethik, Osterhoffnungen und die Kunst des Befremdens
im Unterlinden-Museum in Colmar steht eines der berühmtesten Auferstehungsbilder. Matthias Grünewald hat es gemalt, und kaum ein anderer hat die österliche Dramatik von Verlassenheit und Triumph so eindrücklich in Farben gepackt. Das Bild, das ursprünglich im Eingangsbereich eines Hospitals hing, sollte den Schwerstkranken Trost und Hoffnung vermitteln. Kann man es auch politisch interpretieren – als Beginn einer Friedensbewegung? Jochen Cornelius-Bundschuh, der ehemalige Landesbischof von Baden, hat im Gespräch mit Friederike Krippner, Mit-Autorin der neuen evangelischen Friedensdenkschrift, ein Detail der mittelalterlichen Osterdarstellungen hervorgehoben, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen will: die schlafenden und verwirrten Soldaten, die, von der Auferstehung überrascht, durcheinanderpurzeln. Wie schön wäre es, wenn Ostern die militärische Logik der Welt durcheinanderwirbeln könnte. Aber was hieße das konkret, angefangen von der Nato bis hin zu Präventivschlägen? Ein kontroverses und konzentriertes Gespräch über Anspruch und Grenze der christlichen Friedensethik.
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Michael Schrom ist Leiter des Ressorts Religion & Kirchen.

