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Ludwig Wittgenstein
»Denk nicht, sondern schau!«

Vor 75 Jahren starb der Philosoph und Mystiker Ludwig Wittgenstein. Warum sein Denken aktueller ist denn je – und was gläubige Menschen noch heute von ihm lernen können.
von Klaus von Stosch vom 29.04.2026
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Erst posthum als religiöser Denker erkannt: Ludwig Wittgensstein (Foto: PA / Bridgeman Images / Stefano Bianchetti)
Erst posthum als religiöser Denker erkannt: Ludwig Wittgensstein (Foto: PA / Bridgeman Images / Stefano Bianchetti)

Ludwig Wittgenstein galt lange als Erzfeind der Theologie. In meinem Theologiestudium wurden wir vor niemandem so intensiv gewarnt wie vor ihm. Sein Denken wurde uns als die größte und gefährlichste Alternative zu einem christlichen Weltbild präsentiert. Uns wurde beigebracht, dass Wittgensteins Denken entweder dazu führe, dass man gar nichts mehr über Gott sagen kann oder dazu, dass jede Rede von Gott willkürlich und beliebig wird – beides keine guten Aussichten für jemanden, der es sich zum Lebensinhalt gemacht hat, über Gott nachzudenken. Entsprechend war ich von mir selbst schockiert, als ich beim Lesen seines Werks immer mehr in den Sog seines Denkens geriet. Erst hatte ich ihn nur gelesen, weil ich dachte, dass man seine Gegner kennen muss. Ich wollte ihn widerlegen. Aber je mehr ich las, desto tiefer tauchte ich in diese Welt ein und ließ mich von ihr begeistern. Erst dachte ich, dass ich sowohl der Theologie als auch dem Christentum »Lebewohl« sagen müsste. Heute wüsste ich nicht, wie ich ohne Wittgensteins Hilfe noch Theologe sein sollte. Und ich habe verstanden, dass Wittgenstein mit ungeheurer Wucht und Leidenschaft aus einer religiösen Perspektive schreibt – auch wenn er über die Philosophie der Mathematik nachdenkt.

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