Personen und Konflikte
Richard Rechtman, Professor für Psychiatrie in Paris, hat dem Eindruck widersprochen, Massenmörder seien psychisch krank. Man müsse kein blutrünstiges Monster sein, um sich an einem Genozid zu beteiligen, schreibt Rechtman in der Zeitschrift »Psychologie heute«. Entscheidend sei, dass Massenmörder gleichgültig gegenüber dem Leben und dem Tod der anderen seien. Vielen gehe es weder um Ideologie noch um Überlegenheitsgefühle, erklärt Rechtman, der über Genozid forscht und Angehörige der Roten Khmer behandelt hat. Das Töten werde recht schnell so repetitiv, dass selbst eine Lust am Bösen bald einer Ermüdung oder einem Überdruss an der Routine weiche, so der Wissenschaftler. Die Beteiligten dächten nicht darüber nach, ob es richtig oder falsch sei, Menschen umzubringen. Sondern wie sie ihren Job effizienter machen könnten, sicherer und sauberer für sich selbst. »Sie verbringen ihr Leben in dieser besonderen Atmosphäre des Todes, sie lachen auch darüber so, wie alle, die einen Job haben, den sie nicht wirklich mögen, mit dem sie sich aber arrangieren müssen.«
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