»Lasst uns nicht allein«
Die Situation hier in Moria ist schrecklich. Das Lager wurde für 3000 Menschen errichtet, aber über 20 000 Menschen verschiedener Nationalitäten leben hier. Die Überbelegung ist das größte Problem, gerade jetzt mit Corona, wo alle Abstand halten sollen. Das ist hier unmöglich. Hier gibt es nur eine einzige Essensausgabe. Dreimal am Tag strömen Tausende von Menschen dorthin und warten dichtgedrängt, bis sie was bekommen. Die hygienischen Verhältnisse sind dramatisch. An den Waschstationen gibt es oft kein fließendes Wasser. Schlimm steht es auch um die Sicherheit im Lager. Es geschehen täglich schwere Verbrechen. Die Polizei hat keine Kontrolle. Um den Ausbruch von Corona in Moria zu verhindern, haben wir uns selbst organisiert. Wir klären über Möglichkeiten des Schutzes unter diesen elenden Bedingungen auf, entsorgen den Müll und verteilen selbstgenähte Masken. Europa darf uns damit aber nicht länger allein lassen. Deshalb haben wir einen Hilferuf an die EU und die Bundesregierung geschrieben. Darin heißt es: »Wir fordern Europa auf, die Alten, Kranken und Verwundeten sofort zu evakuieren, weil es hier keinen Schutz für sie gibt. Dazu gehören auch unbegleitete oder kranke Kinder mit ihren Familien.« Und für diejenigen, die vorerst bleiben müssen, muss die Situation dringend verbessert werden, bis die Gefahr durch die Pandemie gebannt ist.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Deen Mohammad Alizadah, Apotheker aus Afghanistan, lebt seit sechs Monaten in Moria
