Zur mobilen Webseite zurückkehren

Was heißt es,Mensch zu sein?

Über Hieronymus Boschs »Die Versuchung des Heiligen Antonius«
von Daniel Rumel vom 15.05.2020
Artikel vorlesen lassen

Hieronymus Bosch konfrontiert uns in seinem um 1500 angefertigten Gemälde mit einem Wimmelbild der Grausamkeiten, bevölkert von Halbmenschen, die einander zu Monstern geworden sind. Zwar sieht man in der Mitte des Bildes eine offenbar wohltätige Frau, die auf der Treppe sitzenden Bettlern ein Schale reichen möchte, doch selbst ihr Hinterteil geht über in einen Reptilienschwanz, mit dem der Maler zum Ausdruck bringt, dass es auch mit ihrer wohlwollenden Haltung nicht weit her sein kann. Der Rest der Gestalten ergeht sich in trieberfüllter Genusssucht. Direkt links neben dem zentralen Ruinenturm versucht man dabei noch die Etikette zu wahren, woanders verliert man sie gänzlich. Der zerbrochene Apfel links im Bild weist auf den Hintergrund der dargestellten Grausamkeiten: Nachdem der Mensch in die Frucht der Erkenntnis von Gut und Böse gebissen hat, sieht er sich genötigt, aus Angst um das eigene Dasein seinem Gegenüber zur Bestie zu werden. Wie Kain den Abel erschlug, so scheint in diesem Bild alles aufeinander loszugehen und dabei noch eine beängstigende Fröhlichkeit an den Tag zu legen. Das Bild wirkt surrealer als manches Gemälde von Salvador Dalí und konfrontiert uns dennoch mit einer Realität, die nichts an Wirklichkeit eingebüßt hat.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0