In Bollyland
Ella Huck klatscht in die Hände: »Warm up« ruft sie in die Halle, und langsam sammeln sich die Schauspieler auf der Bühne. Einige haben es nicht sonderlich eilig, wie Aminatu Jalloh. Die 22-Jährige ist direkt von der Arbeit bei einem Sandwich-Anbieter ins Theater nach Hamburg-Barmbek gehetzt und noch ein wenig aus der Puste. Sanft wird sie von der Dramaturgin aus einem der Stühle in der vorderen Reihe der Halle des Kampnagel-Theaters gezogen und zur Bühne geleitet. Ella Huck kennt ihr Ensemble, und nach fünf Minuten hat sie gemeinsam mit Kollegin Dorothea Reinicke die rund zwei Dutzend Tänzer in der Mitte der Bühne zum Dehnen von Muskeln und Sehnen zusammengetrommelt. Als die ersten Bässe aus den Boxen durch die Halle wummern, kommt langsam Leben in die Gruppe. Auch Aminatu Jalloh ist mittlerweile voll bei der Sache und probt schon mal ihr Solo für die Vorstellung am Abend. Zufrieden klatscht sie mit Arman Marzak und Farzad Fadai in die Hände. Während Farzad erst seit gut zwei Jahren bei Hajusom mitmacht, ist Arman nahezu von Beginn an dabei. »Ich weiß noch genau, wie Ella und Dorothea damals im Kinderheim in Groß Borstel vorbeikamen und uns fragten, ob wir Theater spielen wollten. Ich dachte damals, dass sie uns zu einer Aufführung schleppen will. Erst später habe ich begriffen, dass ich selbst auf die Bühne sollte«, erinnert sich Arman. 2001 war das, und ein paar Wochen zuvor war der 14-Jährige erst in Hamburg gelandet – als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, wie es im Amtsdeutsch heißt.
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