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Wir sind doch die Bösen

Menschen im Knast sind unsichtbar – und das ist gewollt. Gefängnisseelsorger wollen das ändern
von Monika Herrmann vom 23.06.2017
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Sonntagmorgen kurz vor neun. Rund hundert Männer unterschiedlichen Alters werden von Vollzugsbeamten in die Gefängniskirche der Haftanstalt Berlin-Moabit zum Gottesdienst geführt. Der ist, abwechselnd katholisch oder evangelisch, vielen Knackis, wie sich die Insassen selbst nennen, wichtig. In Moabit leben Häftlinge aus vielen Kulturen und Religionen auf engstem Raum. Seit rund einem Jahr besuchen auch Imame regelmäßig die Berliner Gefängnisse und halten die Freitagsgebete ab. In Moabit nehmen rund zwanzig Gefangene daran teil. Einige kommen sogar am Sonntag auch in die Kapelle. Jeder Gottesdienst ist eine Abwechslung, eine Auszeit aus dem tristen Alltag. An diesem Sonntag besonders, denn es sind Journalisten und Kirchentagsbesucher »von draußen« dabei. Man singt »Lobe den Herren«, hört die Predigt und stellt Kerzen für besondere Anliegen auf. »Menschen im Knast werden nicht gesehen«, sagt der evangelische Pfarrer Thomas-Dietrich Lehmann in seiner Predigt. Viele nicken.

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