Atomwaffen
Als Hiroshima zur Stadt des Todes wurde
Kein Grund für Alarm. Als das Radarteam kurz vor acht Uhr am 6. August 1945 zwei kleinere Aufklärungsflugzeuge im Luftraum über Hiroshima sichtet, geht das Leben für die 250 000 Einwohner der Stadt weiter, so wie immer. Sie gehen ins Büro oder melden sich bei öffentlichen Arbeitstrupps, Kinder sind auf dem Weg zur Schule. Minuten später legt eine ungeheure Druck- und Hitzewelle den größte Teil der Innenstadt in Schutt und Asche und tötet rund 80 000 Menschen. Ein Bomber der USA hatte eine 20-kg-Bombe abgeworfen, die erste Atombombe überhaupt. Sie detonierte in 600 Meter Höhe, und der charakteristische Atombombenpilz reichte bis fast in die Stratosphäre. Die Temperatur im Hypozentrum am Boden betrug zwischen 3000 und 4000 Grad. Überlebenden sengt die Hitze die Haut vom Körper. Die radioaktiven Partikel, die ungefähr eine halbe Stunde später aus dem Pilz auf die Stadt sinken, sind unsichtbar und werden ihre tödliche Wirkung über Jahrzehnte entfalten. Der Feuersturm macht die blühende Hafen- und Handelsstadt im Verlauf weniger Stunden zur Wüste. »Gegen zwei Uhr nachmittags wird er zum Orkan. Es wird dunkel. Vom Meer her kommt ein Wirbelsturm den Fluss entlang gerast (…) Schwere entwurzelte Bäume fliegen über sie hin, und das Wasser des Flusses wird meterhoch in die Höhe getrieben (…) Etwas flussab, an der Brücke, wo sich die Flüchtlinge gestaut haben, werden viele in den Fluss gewirbelt. Der Park ist voller Flüchtlinge. Die meisten sind verletzt und vermissen Angehörige, die sie unter den zusammenstürzenden Häusern zurücklassen mussten oder auf der Flucht aus den Augen verloren. Es gibt keine Hilfe für die Verwundeten. Manche sterben. Keiner kümmert sich darum, ob hart neben ihm ein Toter liegt.« So beschrieb der deutsche Jesuit Johannes Siemes die Situation.
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Ursula Baatz ist Religionswissenschaftlerin, Zen-Lehrerin und Biografin von Hugo Enomiya- Lassalle. Sie lebt in Wien.

