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Leserbrief
Mehr Vorsicht!

vom 05.08.2025
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Das Hungern frommer Frauen im Mittelalter ist für unsere heutige Welt befremdlich. Für kluge und häufig auch politisch engagierte Ordensfrauen im Mittelalter, wie zum Beispiel Katharina von Siena, waren exzessives Fasten und Selbstkasteiung oft die einzige Möglichkeit, sich in der brutal männlich dominierten Kirche und Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Ihre Beichtväter nutzten ihre fantasievollen Lebensbeschreibungen mit den spektakulär ausgemalten Visionen der Frauen posthum oft genug für ihre eigene akademische Karriere. Und wem nutzt die späte Anerkennung durch fromme Kardinäle und Päpste? Den Frauen sicher nicht. Bis heute ist die Präsenz und Gleichberechtigung von Frauen in kirchlichen Ämtern weder selbstverständlich noch uneingeschränkt gewollt. Als (evangelische) Psychologin wünsche ich mir mehr Vorsicht und weniger Pathologisierung der mittelalterlichen Ordensfrauen, schon gar nicht mit so wunderlichen Diagnosen wie »Anorexia Mirabilis«. Sulamith Sommerfeld, Hollern-Twielenfleth

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 15/2025 vom 08.08.2025, Seite 62
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