Geist & Sinn
»Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann«
Als Karl Christian Kehrer 1814 auf der Berliner Kunstausstellung sein Gemälde »Allegorische Darstellung des Friedens« präsentiert, war Napoleon noch nicht ganz besiegt. Die Menschen ahnten jedoch seine endgültige Niederlage, die ein Jahr später, in der Schlacht von Waterloo, eintreten sollte. Das Gemälde versucht, dieses Geschehen vorwegzunehmen. Nicht als Historienbeschreibung, sondern im Modus des Mythos: Wir sehen im Hintergrund, wie die Göttin Minerva in Schrecken gerät. Sie stellt den Krieg dar, der nun aus der Welt der Menschen vertrieben wird. Dem siegreichen Herrscher wird vom Volk und den Musen der Dichter und Maler zugejubelt. Der Herrscher der Siegermacht schließt den Janustempel. Dies war im alten Rom der symbolische Akt des Friedensschlusses. Befand sich Rom im Krieg, wurde der Tempel des Janus geöffnet. Er war der Gott allen Ursprungs, aber auch aller Türen und Pforten. Waren die Grenzen befriedet, wurde sein Tempel wieder geschlossen.
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Daniel Rumel, geboren 1981, ist katholischer Theologe, Mitglied im Verein für Bildtheologie.

