Aufbauend
Franziskus«, soll Christus von diesem Kreuz herab im Frühjahr 1206 gesagt haben, »siehst du nicht, wie mein Haus verfällt. Geh und bau es mir wieder auf!« Wir wissen, dass dieser Auftrag erst in den Berichten nach Franziskus’ Tod auftaucht, dass er selbst sein Leben lang kein Wort darüber verliert und sich an keiner Stelle als »Kirchenbauer« bezeichnet. Trotzdem tut der junge Mann genau das, was dieser Appell meint. Er fängt an zu arbeiten an dieser renovierungsbedürftigen Kapelle, in die er sich geflüchtet hat vor den eigenen Fragen und dem Zorn des Vaters. In den folgenden Wochen klopft Franz Steine, schwitzt und schuftet, trommelt notdürftig ein paar Helfer zusammen und bettelt um Baumaterial. Ein Spaziergang wird das ganze Unternehmen nicht. Dazu kommt, dass er ein echter Dilettant ist. Wenn der Sohn des reichen Tuchhändlers etwas gelernt hat im Leben, dann Luxusstoffe zu verkaufen. Er hat nie schwer gearbeitet und erst recht kein Haus je gebaut. Deshalb macht er auch eine ganze Menge falsch bei diesem Kirchenbau. Das kann man heute noch an der etwas windschiefen Statur von San Damiano sehen. Wenn es ein Beispiel für die so gern zitierte »verbeulte Kirche« von Papst Franziskus gibt, dann steht sie da vor den Toren Assisis.
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Martina Kreidler-Kos ist katholische Theologin, Referentin für Ehe- und Familienpastoral im Bistum Osnabrück, Lehrbeauftragte für Theologie der Spiritualität an der PTH Münster.
