»Viele sind verängstigt«
Für den schrecklichen Angriffskrieg und das Leid der Ukrainer gibt es keine Rechtfertigung. Ich bin überzeugt, dass nur ein Sieg der Ukraine den Frieden in Europa zurückbringen kann. Dass Memorial mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist eine große Ehre. Wir sind glücklich, diese Anerkennung mit Menschenrechtlern aus der Ukraine und Belarus zu teilen. In der Ukraine sehen wir aber, dass wir unser Ziel – die Aufarbeitung der Verbrechen des sowjetischen Staates, damit diese nicht wieder passieren – nicht erreicht haben. Viele Menschen in Russland sind wegen massiver Repressionen verängstigt. Dennoch müssen wir reflektieren, warum unsere Stimmen zu schwach waren, warum die russische Gesellschaft uns nicht zuhörte. Wie in der Sowjetzeit kommt es heute wieder zu Gräueltaten in Butscha und anderen ukrainischen Orten.
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Irina Scherbakowa ist russische Historikerin und Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial, die jüngst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
