Nachruf
Beharrlich für Veränderung
Was bleiben wird von Eva-Maria Kiklas? Die Herzlichkeit auf jeden Fall, das Unverdrossene. Als Katholikin in Dresden war sie lebenslang Teil einer 3,5-Prozent-Minderheit. Christenmenschen wirken dort nicht, weil sie einer starken Institution angehören, sondern durch das, was sie tun und sagen, was sie verkörpern.
Die katholische Kirche sei ihr »Lebensrahmen«, sagte sie einmal. Die 1937 geborene, gelernte Röntgenassistentin war im Herbst 1989 bei jeder Montagsdemo dabei und erlebte, wie ein verkrustetes System in sich zusammenfiel. Auch ihre Kirche sollte sich verändern, fand sie. 1995 war sie Mitbegründerin des deutschen Kirchenvolksbegehrens, das 1,5 Millionen Unterschriften für eine Kirchenreform sammelte. Viele Jahre war sie Mitglied im Bundesteam von »Wir sind Kirche«, bereitete Kirchen- und Katholikentage vor, hörte sich bei der Telefonseelsorge den Kummer anderer Menschen an. Reiselustig blieb Eva-Maria Kiklas auch im Alter. Im Oktober stürzte sie im Bahnhof Essen schwer; kurz darauf starb sie im Krankenhaus, mit 86 Jahren.

