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Geist & Sinn
Ich bin, weil andere mich ansehen

Hilde Domin schreibt über die Verbundenheit des Lebens, die zart ist wie ein liebender Blick.
von Christoph Fleischmann vom 30.09.2099
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»Du fielest, aber du fällst nicht.« Hilde Domin (Foto: pa/akg-images / Bruni Meya)
»Du fielest, aber du fällst nicht.« Hilde Domin (Foto: pa/akg-images / Bruni Meya)

Das kleine Kind der Nachbarn guckt mit großen Augen in die Welt. Ich schaue es an und rede mit ihm. Was ich sage, versteht der Junge noch nicht, aber er sieht, wie ich ihn anblicke und er hört die freundliche Melodie meiner Stimme. So war es auch früher bei uns: Blicke und Stimmen und der enge Körperkontakt zu den wichtigen Bezugspersonen haben uns, als wir klein waren, in der Welt beheimatet. Wem etwas davon fehlte, dem fehlt womöglich lange sein Ort in der Welt, dem bleibt statt Vertrauen eine tiefsitzende Angst. Von Anfang an und unser Leben lang brauchen wir Blicke, die uns ansehen, und Stimmen, die uns rufen. Wir Menschen erstehen aus Verbindungen.

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