Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Weihnachten war es bei uns immer so: Der Braten im Backofen, der Schokoladenpudding im Kühlschrank. Mein Sohn hängte die letzten Kugeln an den Baum. Das Radio sang leise vor sich hin »Oh du Fröhliche…«, Glockengeläut, kleine Geschichten für ungeduldige Kinder – wir warteten aufs Christkind. Und dann klingelte es an der Haustür, so gegen drei Uhr nachmittags. Meine Mutter, unsere Großmutter, stand da mit einer großen Reisetasche. Jetzt war Weihnachten. »Erst mal ein Tasse Kaffee, dann das Weihnachtsgebäck und ein Gläschen Sekt«, so war das Ritual. Später legte meine Mutter ihre Geschenke unter den Baum – und wir legten unsere dazu. Meine Mutter rannte aufgeregt durchs Zimmer, genauso wie ihr Enkelsohn, sie waren sich so ähnlich und auch so einig. Ich liebte meine Mutter umso mehr, weil sie meinen Sohn so bedingungslos liebte. Als Großmutter lernte ich sie ganz neu kennen, und als Mutter begegnete ich ihr reifer als die streitbare Tochter.
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