Zur mobilen Webseite zurückkehren

Glaubwürdig ...
Hoffnung, wenn der Tag anbricht

von Irene Dänzer-Vanotti vom 18.03.2025
Artikel vorlesen lassen

Ich bin eine Nachtigall und keine Lerche. So stelle ich mir jeden Morgen den Wecker auf Viertel vor fünf Uhr. Um halb sechs beginnt hier im Kloster Tabgha unsere erste Gebetszeit. Wir sind fünf Mönche, Benediktiner, Deutsche und ein polnischer Mitbruder. Aber auch wenn ich morgens eher unwirsch bin und mich gern noch einmal umdrehen würde, erkenne ich den Wert dieser frühen, unverbrauchten Stunde. Die Stunde des Anfangs, der ersten Gedanken für diesen Tag, noch fast frei von Sorgen, Konzepten, Gefühlen oder Reflexionen. Wir sind geistig empfänglich. Selbst erste Pläne erscheinen wie in einem Hauch von Möglichkeit. Einen Augenblick lang schweben sie noch unbedrängt von den Einschränkungen der Realität. Mit unserer Gebetszeit markieren wir den Übergang von der Nacht zum Tag. Wir benennen diesen Wandel bewusst, besingen ihn, durchbeten ihn und hören dabei auf das Wort Gottes. Die Bedrohung macht uns aufmerksamer auf die Worte unserer Gebete. Ich lese oder bete diese Stellen, vor allen Dingen die Psalmen, noch mal mit ganz anderen Augen. Die Psalmen sind ja voll von Gewalt, von erlittener Gewalt, Gewaltfantasien, aber eben auch von Lob und Dank – und das kriegt jetzt manchmal einen bitteren Beigeschmack.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Schlagwörter: Gebet Kloster Spiritualität
Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0