Erst mal Leben lernen
Weil wir Menschen sind
So kennen wir es: Wir lernen Dinge, indem wir sie oft und öfter tun. Wir lernen Lesen beim Lesen, Schwimmen beim Schwimmen, Autofahren beim Autofahren. Beim Digitalen ist es anders. Grundlegend anders. Das Digitale tut so, als wäre es das Leben selbst und das so täuschend, dass wir alle darauf hereinfallen, immer mal wieder. Beispiel gefällig: Es reicht uns schon, uns »verbunden« zu fühlen, eine WhatsApp geschickt zu haben, ein witziges Bild vielleicht – und verlernen, dass es etwas anderes ist, sich wirklich zu treffen, zu unterhalten, beieinander zu sein. Es hat viele Jahre gedauert, bis nun wirklich ernst damit gemacht wird und nicht nur bei uns, sondern in vielen Ländern, aktuell in Spanien, Dänemark, Griechenland, Italien, Norwegen oder Großbritannien, darüber nachgedacht wird, zumindest »Social Media« für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu verbieten. Diese digitalen Apps, die weder »Medien« sind, weil sie keine einordnenden Nachrichten bieten, noch »sozial« sind, weil sie Begegnung durch Oberflächendasein, sozialen Druck bis hin zu Mobbing zu ersetzen drohen. Ob das wirklich mit der Grunderkenntnis zu tun hat, dass das Leben mit dem Digitalen anders als andere Fähigkeiten nicht im Digitalen erlernt werden kann, ist dabei nicht ausgemacht, denn viel zu sehr sind Schulen, Politik, Wirtschaft weiter auf die Rechnung fixiert, »mehr Digital« sei automatisch »besser«. Aber es ist ein Anfang über das Nachzudenken, was die smarte Revolution mit uns macht. Und es betrifft natürlich nicht nur die Jugendlichen. Es betrifft uns alle. Weil wir Menschen sind und keine Maschinen.
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