»Ich danke dir, dass ich bin«
Mein letztes Laufjahr ist nicht gut gelaufen. Gerade mal die Hälfte meines Mindestzieles habe ich erreicht. Ich nehme mir vor, in jedem Monat 100 Kilometer zu laufen. Das sind 1200 Kilometer im Jahr. Die sollten es eigentlich sein – mindestens aber 1000 Kilometer. Ja, und jetzt waren das im vergangenen Jahr 2024 gerade mal 528 Kilometer. Das hat mehrere Gründe. Es war mein letztes Jahr als Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das ist in unserer Kirche das Bischofsamt. Das letzte Jahr hatte es in sich. Ich hatte noch einmal mehr Termine im Kalender. Normalerweise schaffe ich es aber, in den Sommermonaten mehr zu laufen. Das hat in diesem Jahr nicht geklappt. Verschiedene Verletzungen haben mich ausgebremst. Als ich dann wieder etwas häufiger gelaufen bin, hat mich Anfang Dezember eine ordentliche Erkältung erwischt. Als ich diesen Text schreibe, liegen hinter mir also einige ungewohnt lauffreie Wochen. Gestern habe ich wieder vorsichtig mit einem Fünf-Kilometer-Lauf begonnen. Wieder anzufangen war nicht leicht. Aber nach dem Lauf ging es mir sehr gut. Ich habe sofort gemerkt, was mir gefehlt hat. Der Lauf war verhältnismäßig kurz. Aber der Kopf war gleich wieder viel freier. Vor allem habe ich meinen Körper wieder anders gespürt. Das ist für mich das Schönste am Laufen: nach dem Lauf ein freier Kopf und ein beanspruchter und zugleich entspannter Körper. Das war für mich in den letzten 25 Jahren Lebenselixier. Und das kam so. Ich erzähle ein wenig über meine persönliche Laufbiografie, die – wie ich aus Gesprächen mit anderen Läuferinnen und Läufern weiß – in manchem nicht untypisch ist.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Volker Jung war von 2009 bis 2024 Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Er lebt im Ruhestand im hessischen Lauterbach.

