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Casanova

der weltberühmte Venezianer wurde vor 300 Jahren geboren und war viel mehr als nur ein galanter Frauenverführer.
von Armin Rohrwick vom 21.05.2025
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Casanova – wer kennt den Namen nicht? Aber er hat sich beinahe vollständig von seinem historischen Träger gelöst und einen legendären Ruf bekommen. Vor allem als Klischee des galanten Frauenverführers lebt der Venezianer Giacomo Girolamo Casanova im allgemeinen Bewusstsein weiter. Dabei wird das Image des Schürzenjägers diesem außergewöhnlichen Mann, der vor 300 Jahren in der Lagunenstadt als Sohn eines Schauspielerehepaars geboren wurde, bei Weitem nicht gerecht. Als er 1798 im böhmischen Exil starb (die letzten 13 Jahre seines Lebens verbrachte er als Bibliothekar des Fürsten von Waldstein auf Schloss Dux, dem heutigen Duchcov in Tschechien), war der einstige Tausendsassa allerdings schon bei seinen Zeitgenossen weitgehend in Vergessenheit geraten. Das erscheint erst einmal merkwürdig, denn in seinen besonders aktiven Jahren – von den 1740er- bis in die 1770er-Jahre hinein – war der Emporkömmling in den intellektuellen Zirkeln und Adelskreisen Europas berühmt und berüchtigt. So war etwa seine spektakuläre Gefängnisflucht aus den Bleikammern des Dogenpalasts in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1756 wochenlang Gesprächsstoff in den Salons. Macht man sich aber klar, dass Casanova als ein Libertin des Geistes und der Sinne ganz und gar der Welt des Ancien Régime verhaftet war – von der übrigens der berühmte Staatsmann Talleyrand meinte, wer sie nicht gekannt habe, »wird niemals wissen können, wie süß das Leben war« –, dann ist es nicht mehr so verwunderlich, dass mit dem Untergang jener höfisch-feudalen Gesellschaft in der Französischen Revolution von 1789 und der Etablierung bürgerlicher Moral auch eine Figur wie Casanova dem Vergessen anheimfiel. Daher wird auch sein mehrtausendseitiges Memoirenwerk, die »Geschichte meines Lebens», das der Italiener Casanova auf Französisch, der damaligen Verkehrssprache, schrieb, erst 1822 veröffentlicht – und kurioserweise auf Deutsch, in stark bearbeiteter Form. Das Buch wird ein Kassenschlager; allein im deutschen Sprachraum erscheinen bis Mitte des 20. Jahrhunderts mehr als 100 Ausgaben, alle mehr oder weniger korrumpiert: Die einen strichen großzügig, was sie als zu anrüchig empfanden, die anderen machten aus Casanovas sinnlichen bis freizügigen, aber niemals vulgären Schilderungen sexueller Erlebnisse entweder pornografische Stimulationsliteratur oder schlüpfrigen Schwulst. Klassische Werke sind aber, so sagte einmal Hans Magnus Enzensberger, »nicht totzukriegen durch unsere liebevolle Rohheit, unser grausames Interesse«, und so gehören Casanovas Lebenserinnerungen schon lange zur Weltliteratur, auch wenn wir sie erst seit 1962, also fast zweieinhalb Jahrhunderte nach ihrer ersten Veröffentlichung, in einer textgetreuen Version lesen können.

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