Liebe Leserinnen, liebe Leser,
»Lassen Sie uns bitte reden.« Darum baten kürzlich sechs prominente Autorinnen und Autoren in einem offenen Brief der Wochenzeitung »Die Zeit« (30. April 2025). Sie werfen der aktuellen Politik einen überhasteten Umgang mit weitreichenden Zukunftsentscheidungen vor, der keine Gelegenheit für eine breite und kontroverse Diskussion biete. Stattdessen stellen sie einen »Alarmismus« fest, der sich in »katastrophaler Rhetorik« ausdrücke und damit weitere Ängste schüre, die den demokratischen Prozess erschwerten. Weiter schreiben sie: »Die Einschätzung militärischer Risiken für Deutschland muss vielstimmig erfolgen, nicht panisch. Dafür ist es nicht hilfreich, wenn in den Leitmedien die immer gleichen Militärexperten gehört werden, die unterschiedslos in die Kriegsangst einstimmen. So entsteht der Eindruck, die Experten seien sich im Grunde einig: Ein ›großer‹ Krieg (größer als der jetzige) stehe bevor. Aufrüstung sei das richtige Mittel, denn wenn jetzt nicht mit aller Entschiedenheit gehandelt werde, überfalle Russland eher morgen als übermorgen einen Nato-Staat. Dabei gibt es andere Stimmen, die vor Kriegshysterie warnen.« Zum Beispiel die Stimme des Politikwissenschaftlers Johannes Varwick.
In unserem Gespräch in dieser Ausgabe von EXTRA LEBEN sagt er: »Kriegstüchtigkeit ist für mich das Unwort des Jahrzehnts. Wir müssen wieder zu einer Debatte zurückfinden, wo nicht eindimensional über Waffen und Kriege geredet, sondern mit mehr Fantasie über Diplomatie nachgedacht wird.«
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