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Mein heiliger Ort
Der Mensch!

Alfred Hrdlicka schuf im Herzen von Wien ein Mahnmal gegen den Faschismus. Dafür spuckten ihm die Leute ins Gesicht.
von Doris Weber vom 21.08.2025
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(Foto: allOver / VSL)
(Foto: allOver / VSL)

Ein Mensch. Ich wagte nicht, ihm ins Gesicht zu sehen. Vor vielen Jahren sprach ich mit ihm, einem älteren Mann, aufgewachsen als Sohn jüdischer Eltern in einer norddeutschen Kleinstadt. Sie lebten dort seit Generationen – eingebettet in eine freundliche Nachbarschaft. Eltern, Großeltern. Enkelkinder und Kinder. Sie spielten miteinander. Tanzten auf Festen miteinander. Halfen sich in Notzeiten. Es war ein schönes Leben. Und dann kamen die Nazis. Das Lächeln auf den Gesichtern der Nachbarn erfror. Die Köpfe drehten sich zur Seite. »Wir nannten sie als Kinder Onkel und Tante«, erzählte mir der alte Mann, »und nun sahen sie uns an wie Fremde.« Als die Mutter den jüngsten Bruder spazieren fuhr, kamen sie und kippten den Kinderwagen um, das Baby fiel schreiend auf die Straße. »Wir waren doch Nachbarn.« Hier waren sie zu Hause. Kinder, Eltern, Großeltern. Jahrzehntelang geborgen und geachtet in dieser Straßengemeinschaft. Sie wohnten in Einfamilienhäusern mit blühenden Gärten. Eines Abends schlugen sie an die Tür, brachen das Schloss auf und zerstörten ihr Leben: »Wir haben gehört, ihr habt schöne Dinge.« Sie nahmen das Porzellan und das silberne Besteck. »Eure Möbel holen wir, wenn ihr fort seid«, sagten sie. Der alte Mann weinte bitterlich – denn kurze Zeit später waren alle fort. Er allein kehrte zurück. Verstummt im Schmerz.

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