Saudi Arabien
Im Königreich der Widersprüche
Saudi-Arabien galt lange Zeit als Inbegriff von Rückständigkeit und Frauenfeindlichkeit. Jetzt verändert sich das Land massiv. Der autoritäre De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman krempelt das konservative Land um. In seiner »Vision 2030« hat Mohammed bin Salman, von allen nur MBS genannt, im Jahr 2016 skizziert, welche Zukunft er für sein Land anstrebt. Seine Vorstellungen sind vor allem davon geprägt, Saudi-Arabien in die postfossile Zukunft zu führen. Bis zum Jahr 2030 soll die Abhängigkeit vom Öl deutlich reduziert, mehr Saudis (Männer wie Frauen) sollen in den Arbeitsmarkt integriert und die Wirtschaft diversifiziert werden. Das Bildungssystem will MBS verbessern, damit die saudischen Arbeitnehmer besser qualifiziert sind für die ehrgeizigen Pläne ihres Herrschers. Gleichzeitig hat MBS das Land für Touristen geöffnet. 2019 wurden die ersten Touristenvisa erteilt. Im ersten Halbjahr 2023 kamen bereits mehr als 14 Millionen Touristen nach Saudi-Arabien. Seit einigen Jahren sind Kinos zugelassen und Kulturveranstaltungen erlaubt, die zuvor verboten waren. Zu den Top-Prioritäten der »Vision 2030« gehört auch die Förderung von Frauen. Das hat weniger mit Frauenrechten zu tun als mit dem angestrebten Umbau der Wirtschaft. Denn dafür braucht der Kronprinz Frauen als Arbeitskräfte und es wäre unökonomisch, die Hälfte der Bevölkerung nicht in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zumal das Bildungsniveau unter den saudischen Frauen hoch ist.
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