Milena Michiko Flašar: Zuversicht
Aufgeben und an morgen denken
Es ist ein Uhr nachts. Um mich herum herrscht Stille. In dem Hinterhofhaus, auf das ich blicke, sind nacheinander die Lichter ausgegangen. Irgendwo läuft ein Fernseher. Jemand hustet. Davon abgesehen aber scheine ich die Einzige zu sein, die zu dieser gottverlassenen Zeit noch an ihrem Schreibtisch sitzt. Seit Stunden ringe ich um ein Wort. Ich versuche, es der Stille abzuringen, die sich wie Watte in meine Ohren gelegt hat. Ein vieldeutiges soll es sein. Eines, das mehr als nur eine Auslegung zulässt. Ein Wort, dem aufgrund seiner Reichhaltigkeit eine besondere Schwingung anhaftet. Es soll vibrieren. Das Wort. Es soll dem Satz, zu dem es gehört, sowohl Tiefe als auch Kante verleihen. Was mir einfällt, sind jedoch bloße Lückenfüller. Ich tippe – und lösche. Ich tippe – und lösche.
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Was gibt Hoffnung?
