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Die Stille am Ende der Welt

»Das Boot rast über schwarzes Wasser. Der Fahrtwind fängt sich in unseren Kapuzen und bläst sie zu monströsen Ballons auf. Kapitän Hansen hat uns in rote Overalls gepackt. Gestern Abend sind wir aus Deutschland angekommen. Jetzt sind wir schon unterwegs im Eismeer.« Hannah Glaser erzählt im neuen Publik-Forum EXTRA Leben von einer Reise ins Paradies. Aber das ist längst nicht alles...
von Doris Weber vom 01.02.2013
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(Foto: pa/Woodfall/Haarberg)
(Foto: pa/Woodfall/Haarberg)

Eine unserer Kolleginnen ist Reisejournalistin und hat fast die ganze Welt gesehen. Wir lieben es, wenn sie von ihren Abenteuern erzählt. Mal geht es um eine nächtliche Schießerei im Jemen, ein anderes Mal um eine Affen-Attacke in ihrem Hotelzimmer. Kürzlich kam sie wieder von einer Reise zurück und strahlte: »Ich war im Paradies.« Es waren die Menschen, die sie am norwegischen Eismeer so sehr berührt hatten. Frauen und Männer, die dort fern aller Segnungen der Zivilisation ihren Traum leben – in verfallenen Ortschaften, die nur übers Wasser zu erreichen sind, für die »fernsehen« heißt, aus dem Fenster zu schauen, die schätzen, was sie essen, weil sie es selbst geangelt, gesammelt oder erlegt haben … in einer magischen Landschaft, »die deine Seele ganz weit macht«. So begann diese wunderschöne Geschichte über die Stille am Ende der Welt.

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San Quentin. Ausgerechnet im härtesten Männerknast der USA lernte unser Reporter 1995 Reno kennen. Und das kam so: Nach einem Interview mit einem Vertreter von Death Penalty Focus, einer Organisation gegen die Todesstrafe in Kalifornien, fragte er ihn einfach, ob er ihm Kontakt zu einem Häftling im Todestrakt von San Quentin vermitteln könne. Und tatsächlich erhielt er bald Namen und Anschrift von Reno. Zurück in Deutschland, schrieb er nach San Quentin und war überrascht, als ein paar Wochen später eine Antwort im Briefkasten lag. So begann diese Freundschaft zwischen unserem Reporter und dem Todeskandidaten. Zuerst schriftlich, und als unser Amerika-Reporter 1996 dann nach Kalifornien zog, folgte er Renos Bitte, ihn persönlich zu besuchen. – Reno wartet seit über 34 Jahren auf seine Hinrichtung, er sagt: Ich bin unschuldig. Auf dem Dach des Todestrakts von San Quentin ist ein rotes Licht angebracht. Wenn das angeschaltet wird, findet eine Exekution statt. Wir hoffen, dass dieses Licht nie mehr leuchtet.

Einem Zufall verdanken wir die Begegnung mit Herrn Qureshi. Die Mutter unserer Autorin verbrachte die letzten sieben Jahre ihres Lebens im Cronstetten Stift in Frankfurt, wo Herr Qureshi als Küchenhilfe arbeitet. Bis heute, über den Tod der Mutter hinaus, besucht unsere Autorin das Alten-Pflegeheim, weil sie sich bei den netten Menschen dort, wie sie sagt, ihrer Mutter näher fühlt als auf dem Friedhof. Und als sie bei dieser Gelegenheit auch mit Herrn Qureshi wieder einmal ins Plaudern kam, erzählte er ihr, dass er sich gerade auf eine große Lesereise nach Indien vorbereite. Weil Herr Qureshi ein bescheidener Mann ist, sprach er nicht weiter, und weil unserer Autorin eine Journalistin mit einem untrüglichen Gespür für gute Geschichten ist, fand sie heraus, dass Herr Qureshi, der Küchenhelfer, ein berühmter Dichter aus Pakistan ist. Eine wahre Geschichte, die wie ein Märchen klingt.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.

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Personalaudioinformationstext:   Doris Weber ist Chefredakteurin des »Publik-Forum EXTRA Leben«. Es erscheint alle zwei Monate. Sie können es ab sofort abonnieren. Auch der Kauf des aktuellen Einzelheftes »Publik-Fourm EXTRA Leben – Die Stille am Ende der Welt« ist möglich.
Schlagwörter: Paradies Stille
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