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Pro und Contra
Ein Grunderbe für alle?

Zum 18. Geburtstag 20 000 Euro für jede und jeden. Ein solches Grunderbe soll die soziale Ungleichheit ein wenig verändern. Junge Menschen könnten damit eine Ausbildung finanzieren oder ein Vermögen aufbauen. Klingt verlockend, aber hilft das wirklich? Stimmen Sie hier ab!
vom 07.06.2022
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20.000 Euro für jeden? Die Idee des Grunderbes polarisiert. (Foto: vegefox.com/stock.adobe.com)
20.000 Euro für jeden? Die Idee des Grunderbes polarisiert. (Foto: vegefox.com/stock.adobe.com)

Christoph Prüm:

Ja, aus Eigentum erwächst Macht!

Jeder einzelne Mensch hat ein natürliches Recht auf einen angemessenen Anteil an der Erde und ihren Ressourcen. Was ist mein Selbstbestimmungsrecht denn wert, wenn die lebensnotwendigen Ressourcen, die erforderlich sind, um mir Nahrung und Schutz zu verschaffen, alle von Geburt an anderen zugesprochen wurden? Nicht viel. Dann zwingt mich das Schicksal meiner Geburt dazu, denjenigen zu Diensten zu sein, die diese Ressourcen geerbt haben. Die Erben der Welt haben unverdiente Macht über die Nichterben.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 11/2022 vom 10.06.2022, Seite 10
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Unsere Demokratie wird in ernste Gefahr geraten, wenn es uns nicht gelingt, die Macht, die aus dem Eigentum hervorgeht, breiter zu streuen. Deren Verteilung ist bekannt: Ein Prozent der Menschen besitzt ein Drittel der Republik, zehn Prozent der Menschen besitzen zwei Drittel der Republik, 40 Prozent besitzen praktisch nichts. Diese ungleiche Verteilung wird zwangsläufig sozialistischen Gedanken Vorschub leisten, die tendenziell das Eigentum, als Institution der persönlichen Freiheit, aushöhlen. Das möchte ich vermieden wissen. Ich schätze und achte den Menschen in seiner Autonomie und seiner Eigenverantwortlichkeit, das macht ihn letztendlich aus. Ein Grunderbe wird die Einübung und Festigung dieser Autonomie auf exzellente Weise fördern.

Ich denke, wer unbefangen hinschaut auf die Welt, der kann erkennen, dass es den Kern des christlichen Abendlandes ausmacht, den Wert des Einzelmenschen im Bewusstsein der Welt zu etablieren. Das ist es, was uns für Menschen aller Couleur so attraktiv macht. Diese Aufgabe wird dann erfüllt sein, wenn jedem Einzelnen herkunftsunabhängig und wertschätzend sein persönlicher Anteil an der gemeinsamen Welt als sein originäres Geburtsrecht zum freien Tun übergeben wird.

Christoph Butterweggge:

Nein, das ist
nicht sozial!

Das Grunderbe ist eine Variante des bedingungslosen Grundeinkommens. Jungen Menschen soll es zwecks Vermögensbildung als Einmalzahlung zur Volljährigkeit oder mit 30 Jahren gewährt werden. Wie jedes Grundeinkommen ist diese Idee des Grunderbes allerdings weder sozial noch sachgerecht.

Einerseits bleibt das drängende Problem der Kinderarmut ungelöst, weil die Unter-18-Jährigen (zunächst) leer ausgehen. Darüber hinaus muss es Millionen armen Familien, Rentnerinnen und Minijobbern wie Hohn erscheinen, dass junge Erwachsene über Nacht zu »kleinen Kapitalisten« gemacht werden sollen.

Andererseits würde sich an der bestehenden Verteilungsschieflage wenig ändern. Ein junger Millionär würde reicher, während ein junger Müllwerker oder eine junge Minijobberin zwar ein kleines Vermögen bilden könnte, ohne dass sich aber ihr finanzieller Abstand zu dem Millionär verringern würde. Dass der junge Millionär zur Refinanzierung des Grunderbes beitragen müsste, erscheint angesichts der gegenüber einer Vermögensteuer ohne höhere Freibeträge bestehenden Vorbehalte unwahrscheinlich.

Weil das Grunderbe alle seine Bezieher und Bezieherinnen über einen Leisten schlägt, schafft es keine Gerechtigkeit. Weder spielt der individuelle Bedarf noch die unterschiedliche Leistung eine Rolle. Schon die griechischen Philosophen der Antike wussten aber, dass man Gleiche gleich und Ungleiche ungleich behandeln muss, soll es gerecht zugehen. Mit einer Verteilungspolitik nach dem Gießkannenprinzip ist sozial Benachteiligten kaum gedient. Nötig wäre die Umverteilung des privaten Reichtums von oben nach unten, verbunden mit einer passgenauen Unterstützung der Armen.

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Personalaudioinformationstext:   Christoph Prüm hat die Stiftung »Ein Erbe für jeden« initiiert. Er ist selbstständiger Heizungsbaumeister mit Schwerpunkt regenerative Energien im bayrischen Meinheim.

Christoph Butterwegge hat von 1998 bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität Köln gelehrt und mit Kuno Rinke das Buch »Grundeinkommen kontrovers. Plädoyers für und gegen ein neues Sozialmodell« (Beltz Juventa 2018) herausgegeben.
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