Antisemitismus-Verdacht
Nemi El-Hassan verdient eine Chance
Die Journalistin und Medizinerin Nemi El-Hassan sollte eigentlich die Wissenssendung Quarks im WDR moderieren. Dann kam heraus, dass sie 2014 an der antisemitischen Al-Quds-Demonstration in Berlin teilgenommen hat. Der Sender setzt die Zusammenarbeit mit El-Hassan vorläufig aus. Das muss er auch: Eine Frau, die sich des Antisemitismus verdächtig macht, kann nicht unhinterfragt vor der Kamera erscheinen. Doch Nemi El-Hassan hat eine Chance verdient, gerade deshalb, weil sie die Komplexität des Konfliktes nicht leugnet und sich nicht aus der Verantwortung zieht. Als Muslimin mit palästinensischen Wurzeln in Deutschland hat sie keine leichte Position. In einem aktuellen Spiegel-Interview spricht sie selbstkritisch über ihre Haltung als 20-Jährige. Sie verharmlost nicht die Bedeutung des antizionistischen und antisemitischen Umfeldes, in dem sie sich bewegte, und spricht von einem Fehler. Sie klingt wie eine Frau, die eine persönliche Entwicklung durchgemacht hat und ihre früheren Überzeugungen ernsthaft hinterfragt. Man kann ihr allerdings anlasten, dass sie erst auf öffentlichen Druck hin Stellung bezieht.
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