Gesellschaft
Welche Freiheit wollen wir?
Die Klimakonferenz und die Pandemie haben bei aller Verschiedenheit in der Sache eine tiefere philosophische Frage gemeinsam. Sie lautet: Welche Freiheit wollen wir? Immer offensichtlicher wird, dass der vorherrschende, auf individualisierte Ansprüche enggeführte Freiheitsbegriff nicht ausreicht, um drängende Menschheitsprobleme zu lösen. Leider hat im allgemeinen Sprachgebrauch die Vorstellung überhand genommen, dass Freiheit vor allem im Freisein von Regelungen, Vorgaben, Normen und Pflichten bestehe. Alle Aufforderungen zum Verzicht, seien sie transzendent oder immanent begründet, stehen unter dem Verdikt der Freiheitsfeindlichkeit. So heißt es verharmlosend mit Blick auf die steigende Inzidenz, der Staat dürfe lediglich ein »Angebot« machen . Und auch bei der ökologischen Krise gilt die Maxime: bloß keine Maßnahmen beschließen, die die (Konsum-)Freiheit einschränken. Sobald nur ein entsprechender Verdacht im Raum steht, sprechen »besorgte Bürger« wahlweise von einer Impf- oder Ökodiktatur, gegen die Freiheitsansprüche geltend gemacht werden.
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