Zur mobilen Webseite zurückkehren

Gestochen wie ein Heiland

Was würde Jesus heute tragen? »Tätowierter Jesus« der Kanadierin Marianna Gartner
von Udo Feist vom 14.01.2022
Artikel vorlesen lassen

Hätte, hätte, Fahrradkette! Im Ruhrgebiet bekommt diesen Reim zu hören, wer im irrealen Konjunktiv besserwisserisch über Vergangenes spekuliert. Was war, das war, und Punkt. Auch die Frage, ob denn wohl Jesus, lebte er jetzt und hier, Tattoos trüge, ließe sich damit abtun. Aber da er zumindest denen, die an ihn als Mensch gewordenen Gott glauben, weiter gegenwärtig ist, lohnt sie sich doch. Immerhin hat jeder Zehnte im Land Gestochenes auf der Haut: Bilder, Symbole, Daten, Wörter, Sätze, Verse, Muster. Die meisten entscheiden sich zwischen 14 und 34 dafür – in jener Alterskohorte, zu der auch er gehörte. Unwahrscheinlich wäre das also nicht, so unstatthaft solch ein Spekulieren zuerst auch scheinen mag. Schließlich hat es sich eingebürgert, ihn irgendwie septisch, keimfrei und idealisiert zu sehen, als einen, dessen Menschsein nicht allzu körperlich vorgestellt werden dürfe. Aber wenn schon Menschwerdung, dann doch richtig, oder? Zu fein dafür ist er sich wohl kaum gewesen. Paulus schreibt im Philipperbrief: »Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und ward den Menschen gleich.« Theologen zanken seit je, wie weit solch Entäußern, das Menschlichwerden, gehen dürfe. Sie stoßen dabei an Körperflüssigkeitsgrenzen.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Schlagwort: Jesus
Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0