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Ein Pfarrerssohn als tragischer Fürst der Finsternis

von Thomas Hummitzsch vom 13.01.2023
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Roman. Der Titel von Marilynne Robinsons neuem Roman ist für Eingeweihte vielsagend. Hinter »Jack« verbirgt sich John Ames Boughton, die einsamste Figur in ihrer fiktionalen Welt. Der Pfarrerssohn geistert als gefallene Figur durch die amerikanische Kleinstadt Gilead (nicht zu verwechseln mit Margaret Atwoods dystopischer Theokratie), die Robinson seit gut zwei Jahrzehnten literarisch erkundet. Ihr Auftaktroman »Gilead«, der 1956 einsetzt, wurde 2005 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Er bildet den Nukleus eines aufregenden Werkes, das nach »Lila« und »Zuhause« nun mit »Jack« eine Fortsetzung erfährt, sorgfältig übersetzt von Uda Strätling.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 1/2023 vom 13.01.2023, Seite 54
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Dass die Autorin dem Sorgenkind Jack mit ihrem neuen Roman eine Bühne gibt, ist eine Überraschung: Vor Jahren sagte Robinson einmal, dass sie Jack verlöre, »würde ich versuchen, ihm als Erzähler zu nahe zu kommen. Er ist auf komplizierte Weise entfremdet. Andere Leute können ihn nicht verstehen, und er kann sie nicht verstehen.«

Dem obdachlosen Charmeur liegen Biografie und Werte seines religiösen Elternhauses schwer auf den Schultern. Als »Fürst der Finsternis« sieht er sich selbst. Einzig die Liebe zu der jungen schwarzen Lehrerin Della Miles gibt ihm Hoffnung. Poetisch kommen sich beide nah, Robinsons Lesepublikum weiß aber, dass die Geschichte nicht gut ausgeht.

Die schreibende Calvinistin Robinson begleitet ihren Antihelden mit wohlwollender Neugier, hält gar eine Erlösung für ihn bereit. Doch Jack ist Nihilist. Seiner Erzählung wohnt ein zweifelnder und selbstzerstörerischer Ton inne, die unverhoffte Liebe wird von Verrat, Schuld und Rassismus getrübt.

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