Leserbrief
Gewalt gegen Frauen
Zu: »Weiblicher Körper als Schlachtfeld« (23/22, Seite 24)
Danke für den Artikel. Allerdings sollten die aktuellen Proteste im Iran uns nicht den Blick auf Gewalt gegen Frauen auch in nicht-islamischen Kulturkreisen verstellen, was ja im Artikel anfangs auch erwähnt wird. Wie auch in anderen Teilen der Welt wird die Religion als Vorwand genutzt, patriarchalische und frauenfeindliche Haltungen in Gesetze zu gießen. Aber ein säkularer Staat ist kein Garant für weniger Gewalt gegen Frauen. Es geht um gesetzliche Gleichstellung, ökonomische Unabhängigkeit, um verbriefte Rechte und die Möglichkeit, diese wahrzunehmen. All das haben Frauen im Iran nicht – aber nicht nur dort. Das Kopftuch ist besonders sichtbar und hat eine Symbolwirkung. Was Gewalt gegen Frauen im eigenen oder in uns näheren Kulturkreisen betrifft, wollen wir lieber nicht ganz so genau wissen. Da gucken wir lieber nach Iran oder Saudi-Arabien. Als Europäerinnen laufen wir damit Gefahr, die Ereignisse im Iran nur aus unserer Sichtweise zu beurteilen, und versäumen es, auch die Folgen unserer christlich geprägten Kultur kritisch zu hinterfragen. Dagmar Timm, Hamburg
Das Hauptproblem ist der Patriarchalismus, darum nimmt auch in westlichen Gesellschaften das Problem mit den Femiziden zu. Befördert wird diese Tendenz durch die Boulevardblätter. Schon die 2011 verstorbene Johanna Dohnal beklagte die gesellschaftspolitische Rolle rückwärts: »Das gegenwärtige Wiedererstarken männlicher Werthaltungen und traditioneller Rollenbilder geht einher mit Xenophobie, Nationalismus, Sexismus und Sozialabbau, mit dumpfem Populismus und Provinzialismus, mit Militarismus und der Aushöhlung von Rechtsstaatlichkeit.« Zu Recht wird im Artikel darauf verwiesen, dass dieser Patriarchalismus durch den Islam gar nicht gedeckt ist. Georg Lechner, publik-forum.de
