»Danke Tunesien,danke Tunesien!«
Ein loses Tischbein wird zum Werkzeug der Freiheit. Ein Eisenrohr, eine Zaunlatte. Mehr haben die jungen Männer von Jelma nicht in der Hand, als wir ihnen begegnen. Es ist der 13. Januar 2011. In Tunis herrscht noch der Diktator Ben Ali. In Jelma, 200 Kilometer südwestlich, ist seine Macht an diesem Nachmittag schon gebrochen. Aber das wissen wir noch nicht, während wir uns auf der Nationalstraße der Stadt nähern. Am Ortseingang versperren brennende Autoreifen den Weg. »Wo kommt ihr her?«, will ein Junge wissen. »Wollt ihr Englisch sprechen oder lieber Französisch? Deutsch geht auch.« Ein paar Schritte weiter werden Computer und Kartons aus einem Haus mit eingeschlagenen Fensterscheiben herausgetragen. Bis gestern war das die Polizeistation, doch in der Nacht sind die Polizisten aus Jelma verschwunden. Geflohen vor den Protesten oder abkommandiert in die Hauptstadt? Niemand weiß die Antwort. Was in diesem Moment abläuft, ist keine Plünderung, sondern das Gegenteil davon: Die Einwohner von Jelma haben ein Komitee gebildet, das den Ort schützen soll. Statt der verhassten Polizei gibt es jetzt die Wachdienste mit ihren Schlagstöcken. Das Inventar der Polizeiwache und die Akten soll niemand stehlen oder vernichten. »Alles kommt jetzt erst einmal ins Gemeindehaus«, erklärt jemand.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden

