Der Finger in der Wunde
Warum bist du als trans* Person katholisch? Das ist eine der häufigsten Fragen, die mir seit #OutInChurch gestellt werden. Es gibt sehr viele Antworten. Eine lautet: Weil die christliche Tradition das Potenzial für die positive Anerkennung von queeren Menschen hat. Jesus ist nicht nur bei den Leidenden und Diskriminierten, er macht sich selbst von Leid und Diskriminierung betroffen – und dadurch auch für queere Menschen ansprechbar. Immer wieder berichten die Evangelien, wie selbst der engste Kreis und seine Familie Jesus falsch verstehen und verkennen. Ein bemerkenswertes Beispiel findet sich im Johannesevangelium (20,19-29): Der Evangelist erzählt, wie Thomas nach der Auferstehung fordert, die Hände in Jesu Wundmale legen zu können. Andernfalls wolle er nicht glauben. Eindrücklich ins Bild gesetzt wurde dies von Caravaggio: Er zeigt einen Thomas, der mit dem Finger in die Seitenwunde eintaucht, während zwei Jünger zusehen.
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Mara Klein, geboren 1996, ist Aktivist*in für die Rechte queerer Menschen in der katholischen Kirche, Mitglied der Synodalversammlung; promoviert in Münster.
