Katholische Kirche
Der neue Wein beginnt zu gären
Gilt die Redewendung »Gut Ding will Weile haben« auch für den Synodalen Weg? Führt die pandemiebedingte Verlangsamung des ehrgeizigen und umstrittenen Reformprojekts der katholischen Kirche in Deutschland zu besseren, weil klareren Grundsatzpapieren? Wer die lebendige, konzentrierte und respektvoll verlaufene virtuelle Synodalversammlung verfolgt hat, war erstaunt, wie viel Glut noch unter der Asche zu finden ist. Kommt es zu einem New Deal, zu einem neuen Zusammenspiel von theologischer Wissenschaft, Erfahrungen an der Basis, Veränderungsbereitschaft von Bischöfen und der Einbeziehung der Expertise von Missbrauchs-Überlebenden? Könnte es sein, dass – biblisch-bildlich gesprochen – hier ein neuer Wein heranreift, der nicht in alte Schläuche passt? Noch ist es für ein Urteil zu früh. Die Texte sind noch nicht ausgegoren. Aber sie haben an Geschmack und Tiefe gewonnen. Beispiel Sexualmoral. Das scharf kritisierte Arbeitspapier mit seiner beharrlichen Reverenz auf Fruchtbarkeit und seine konservativen Minderheitsvoten wurde eingestampft. Stattdessen scheint man sich auf ein Schuldbekenntnis gegenüber Homosexuellen und die von einer rigiden Sexualmoral Verletzten einigen zu können. Es soll als Prolog allen weiteren Ausführungen vorangestellt werden. Der Aachener Bischof Helmut Dieser forderte, bei der Beschreibung der menschlichen Sexualität auf den Begriff »Natur« völlig zu verzichten, was dann auch der katholischen Naturrechtslehre in der Bewertung von Homosexualität den Boden entzöge. Bischof Stephan Ackermann von Trier nannte es höchst dringlich, die Passagen zur Homosexualität im Katechismus zu ändern.
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Synodaler Weg
