AfD und Religion
Völkische Mystik
Es ist ein vergifteter Heiratsantrag. Oder, je nach Perspektive, ein Ausdruck enttäuschter Liebe. Die wenigen Aussagen über das Christentum, die Maximilian Krah, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, in seinem Manifest »Politik von rechts« formuliert, erscheinen wie Randbemerkungen seines identitären Programms. Aber sie haben es in sich. Denn in seinen Augen ist das Christentum ein natürlicher Verbündeter der rechten Bewegung. Die »tradierte Ordnung«, um die das »echte konservative Denken« kreise, sei, so Krah, zweifellos christlich begründet und daher ohne das Christentum nicht oder nur mühsam aufrechtzuerhalten. Deshalb fragt er: »Was spricht dagegen, die Erhaltung und Wiederbelebung des Christentums politisch zu unterstützen?« Seine Antwort lautet nur eine Zeile später: »das Christentum selbst.« Es sei in einem »derartig desolaten Zustand, dass es als Partner ausscheidet«. Von den Kirchen sei außer Kritik nichts zu erwarten. Es sei aber »illusorisch, zu glauben, man könne christlich inspirierte Politik gegen das organisierte Christentum machen«. Doch davon, so Krah, dürfe man sich nicht entmutigen lassen. Schon gar nicht dürfe dieser – aus AfD-Sicht frustrierende – Befund zu einem inhaltlichen Atheismus führen. Im Gegenteil: Rechte Politik brauche eine spirituelle Verankerung. Zwar könne die Rechte »derzeit nicht christlich auftreten und argumentieren«. Sie sollte sich dies aber als »Mangel eingestehen«, als »Erschwernis« für ihr politisches Programm. Der Glaubensverlust des Westens sei eine Last, keine Tugend.
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