Ist die Kirche noch zu retten?
Die Kritik kirchlicher Strukturen aus dem Inneren der römisch-katholischen Kirche ist ein schwieriges Unterfangen. Die Kirche versteht sich als Heilige Ordnung, und sie hat bisher kaum Denkfiguren entwickelt, um die historischen Umstände ihrer Existenz hierzu in Bezug zu setzen. Sie versteht überdies die Heilige Ordnung als Hierarchie, an deren Spitze der Papst als Stellvertreter Christi steht. Ihm gegenüber sind in erster Linie Bischöfe und Kleriker zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet, doch wird er auch von den Laien erwartet. Diese im Hochmittelalter in Rom entwickelte Kirchenvorstellung hat sich praktisch erst im 19. Jahrhundert durchgesetzt, nachdem der umfassende Herrschaftsanspruch der Kirche im Rahmen der einen (abendländischen!) Christenheit zerbrochen und mit der Aufklärung ein konkurrierendes, nicht mehr theozentrisches, sondern anthropozentrisches Weltbild entstanden war.
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Franz-Xaver Kaufmannwurde 1932 in Zürich geboren. Er lebt seit den 1960er-Jahren in Deutschland und lehrte bis zu seiner Emeritierung in Bielefeld. Kaufmann ist Soziologe mit Schwerpunkt im Bereich der Familien- und Religionssoziologie. Soeben erschien sein jüngstes Buch: Kirchenkrise. Wie überlebt das Christentum? Herder 2011. 200 Seiten. 14,95 €. Publik-Forum-Shop, Best.-Nr. 8669. Sein Text ist ein leicht bearbeiteter Auszug daraus.

