Kardinäle: Scharfer Streit über Zukunft
Kurz vor dem weltweiten Gipfeltreffen über sexuelle Gewalt durch Kleriker in der Kirche, zu dem Papst Franziskus die Vorsitzenden sämtlicher Bischofskonferenzen nach Rom beordert hat, ist ein Streit über die Ausrichtung der katholischen Kirche ausgebrochen (Publik-Forum 3/2019, S. 9). In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel behauptet Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Klerikalismus und Missbrauch. Das Problem seien homosexuelle Priester. Das wolle man im Vatikan, der von »Hofschranzen« durchsetzt sei, die jedes Wort des Papstes für »sakrosankt« halten, nicht hören. Franziskus sei ein autoritärer Papst, der sich »von Zuträgern mit unedlen Motiven« abhängig mache. Dass er in Deutschland so beliebt sei, während sein Vorgänger nach wie vor kritisiert werde, »sagt viel über den traurigen Geisteszustand unserer Heimat aus«. Die akademische Theologie in Deutschland befinde sich auf einer »Talfahrt«. Umso absurder sei der Anspruch, »Lokomotive für die Weltkirche spielen zu wollen«.
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