Von Kolibris, Landraub und Frauenbildern
Das mit Spannung erwartete Schlussdokument des Papstes zur Amazonas-Synode ist eine poetische Liebeserklärung an die Regenwaldregion. In »Querida Amazonia« (Geliebtes Amazonien) zitiert der Papst Pablo Neruda und Mario Vargas Llosa, lässt Kolibris flattern, Wasserfälle donnern und charakterisiert die indigene Bevölkerung als eine Gemeinschaft voller Weisheit. Die westliche Welt und die Kirche schulden ihnen Respekt. »Wir müssen von ihnen lernen, ihnen (…) zuhören und sie um Erlaubnis bitten, unsere Vorschläge darlegen zu dürfen.« Dass dieses Ideal meilenweit von der Realität entfernt ist, weiß der Papst natürlich auch. Deswegen folgen harte Anklagen gegen Landraub, Korruption, Sklaverei, Mord, Konsumismus und politische Lüge. Dazu gehört die Behauptung, Amazonien sei »einfach ein enorm leerer Raum, der besetzt, ein Reichtum im Rohzustand, der entwickelt, eine weite Wildnis, die gebändigt werden muss«. Genau darin besteht ja die rhetorische Verheißung des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, mit der er das Roden legalisiert. In Brasilien werden sie diese Passage zu lesen wissen.
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