Ausstellung
Die Klassenkämpferin und der Mystiker

Ausstellung. Die viel gereiste Ausstellung »Über die Grenzen der Existenz« ist derzeit im Kunsthaus Apolda Avantgarde in der Nähe von Weimar zu sehen. Dort stehen Werke zweier Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts im Dialog: Käthe Kollwitz und Ernst Barlach. Beide stellten in Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken existenzielle Zustände des Menschen dar, regen gegen die kalte Wirklichkeit zu Empathie und Kontemplation an.
Käthe Kollwitz ist im Gedächtnis geblieben als Klassenkämpferin, die Elend anprangerte, für Gerechtigkeit eintrat und – zumindest nach dem Ersten Weltkrieg – für Frieden. Berühmt ist ihr Plakat »Nie wieder Krieg«.
Barlach dagegen gilt als Mystiker der Moderne, seine bessere Welt beginnt im Geist. Seine Skulpturen und Zeichnungen tragen kaum individuelle Züge, sondern sind Allegorien aufs Menschsein. In seine bekannte Skulptur »Der Schwebende« aber, die in der Ausstellung als 150 Kilo schwerer bronzierter Gipsabguss unter der Decke hängt, sei »das Gesicht von Käthe Kollwitz hineingekommen, ohne dass ich es mir vorgenommen hätte«, schrieb Barlach später einmal. Das Original wurde von NS-Schergen aus dem Güstrower Dom entfernt und eingeschmolzen.
