Das Lächeln des Schmerzes
Als am 11. März, Freitag, kurz vor acht Uhr das Telefon klingelte, saß ich gerade gemütlich beim Frühstück. So früh, dachte ich, kann es nur ein Anruf aus Japan oder China sein. Ich tippte auf Japan, denn seit ich meinen Besuch für Mai und Juni angekündigt hatte, riefen immer wieder Freunde an, um mir zu sagen, wie sehr sie sich über ein baldiges Wiedersehen freuen. Ganz meinerseits, antwortete ich dann fröhlich und eilte auch jetzt erwartungsvoll zum Telefon. Der Anrufer war jedoch ein Freund aus München. »Hast du die Nachrichten gehört?«, fragte er aufgeregt. Nein, ich hatte noch keine Nachrichten gehört. »Was ist los?«, wollte ich wissen. »Es geht um Japan«, sagte er, »ein schreckliches Erdbeben hat sich ereignet, Stärke 8,9, kannst du dir das vorstellen?« Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen, weil wir in den zehn Jahren, die mein Mann und ich in Japan gelebt haben, zwar unzählige Erdbeben erlebt hatten, doch keines war stärker als 7,2 und das war am Rande unserer psychischen Belastbarkeit damals, eine wahrlich traumatische Erfahrung. Wir brauchten nach jedem stärkeren Erdbeben wochenlang, um uns von der erlittenen und anhaltenden Angst einigermaßen zu befreien. Dass es mir nie ganz gelungen ist, erkenne ich an dem sofort einsetzenden Angstgefühl, wenn ich wieder einmal von einem Erdbeben höre, das sich irgendwo auf der Welt ereignet hat. So war es auch jetzt, als ich die Nachrichtensendung im Fernsehen einschaltete, die Bilder sah, das, was das starke Beben, und der nachfolgende Tsunami angerichtet haben. Ich spürte Schmerzen, Angst, Entsetzen.
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Ursula Richter lebte zehn Jahre in Japan und lehrte dort an der Universität in Miyazaki. Sie schrieb unter anderem die Bücher: »Das Leben der Geisha. Die Wirklichkeit hinter der weißen Maske«. Bastei-Lübbe. »Dr. Toshikatsu Yamamoto. Stationen eines Lebens«. Verlag für Ganzheitliche Medizin (VGM). Ihr neuestes Buch heißt: »Frauen lieben jüngere Männer. Ein anderer Weg zum Glück.« Kreuz-Verlag.

