Aufgefallen
Die an das Wort glaubt
Ihr Buch, sagt Åsne Seierstad, beginne bewusst mit dem schrecklichsten Moment: Elf junge Menschen hören auf einer norwegischen Insel in der Ferne Schüsse. Sie beschließen, sich hinzulegen und vorzutäuschen, sie seien tot. Da nähert sich der Attentäter – und schießt allen in den Kopf. Seierstad, bestimmt, direkt, ganz in Schwarz gekleidet, steht mir auf der Leipziger Buchmesse gegenüber und sagt: »Genau da müssen wir hin, um rechtsradikalen Extremismus zu verstehen. Wir können uns das nicht ersparen.« Die norwegische Autorin und Journalistin hat ein brutales Buch geschrieben. Es trägt den Titel »Einer von uns« und beschreibt die Geschichte des rechtsradikalen Massenmörders Anders Behring Breivik, der am 22. Juli 2011 in Norwegen 77 Menschen tötete. 69 waren Teilnehmer eines Jugendcamps der sozialistischen Arbeiterpartei, die Hälfte minderjährig. Es ist nicht Seierstads erste Annäherung an das Ungeheuerliche. Als Kriegsreporterin war die 48-Jährige in Syrien unterwegs, im Irak, in Afghanistan und Tschetschenien. Auch daraus entstanden Bücher wie ihr »Tagebuch aus Bagdad« und »Der Buchhändler aus Kabul«.
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