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In Memoriam Karl Lehmann
Theologe mit Leidenschaft

von Thomas Seiterich vom 23.03.2018
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Kardinal Karl Lehmann war ein außergewöhnlicher Bischof (siehe Publik-Forum.de). Anders als viele seine Amtsbrüder verschlang der frühere Freiburger Theologieprofessor mit Leidenschaft neue theologische Werke. Mehrere Tausend Bücher umfasste seine Bibliothek in Mainz. Von 1987 bis 2008 leitete Lehmann die auseinanderstrebende Deutsche Bischofskonferenz. In Zeiten extremer Polarisierung bewährte er sich als geduldiger Reformer, der jedoch nur wenig durchsetzen konnte. Im Kampf für eine katholische Schwangerschaftskonfliktberatung im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben stoppte ihn Papst Johannes Paul II. ebenso wie bei seinem Engagement für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Erst Jahrzehnte später setzte Papst Franziskus um, was Lehmann zusammen mit Oskar Saier und Walter Kasper vorschlug: eine menschenfreundlichere Regelung. Karl Lehmann war zugewandt, ein liebenswürdiger und humorvoller Mann, der auch in seiner Mentalität im Südwesten Deutschlands tief verwurzelt war. Zu Helmut Kohl oder Kurt Beck pflegte er freundschaftliche Beziehungen. Als menschennaher Seelsorger und kluger Ratgeber war er überaus geschätzt – über Parteigrenzen hinweg. Lehmann baute Brücken – etwa zwischen Befreiungstheologen und Rom. Nicht nur die Mainzer haben ihren Bischof Karl geliebt.

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