Kino: »Funny Birds«
Hühner, Liebe und Verzeihen

Kino. So richtig herzlich ist der Empfang nicht, als Charlotte ihre Mutter Laura besucht. Dabei unterbricht Charlotte ihr prestigeträchtiges Wirtschaftsstudium, um zu helfen. Denn Laura, die als Aussteigerin einen Öko-Hühnerhof betreibt, ist an Krebs erkrankt. Gerade, als sich die beiden so unterschiedlichen Frauen zusammengerauft haben, klopft eine dritte an die Tür und will das Kommando übernehmen: Solange, Charlottes bis dato völlig unbekannte Großmutter, eine Feministin und Globetrotterin. Sie will bei Laura Wiedergutmachung leisten. Denn einst hatte Solange die Mutterrolle verweigert und Laura als Kleinkind verlassen. Als Lauras Hühner durch Vogelgrippe bedroht sind, verbünden sich Oma und Enkelin zu illegalen Maßnahmen, um der geschwächten Laura Stress zu ersparen.
In dieser bittersüßen, sich über vier Jahreszeiten erstreckenden Chronik verkörpern die drei zwar etwas reißbretthaft den Wandel progressiver Frauenbilder. Doch das allmähliche Zusammenglucken des Trios, in dessen schnuckeligem Farmhaus außerdem die »old girls«, Lauras geliebte Hühner, herumspazieren, macht viel Spaß. Das ein Leben lang Nichtgesagte bleibt in dieser intergenerationellen Frauenkomödie auch weiterhin unausgesprochen. Statt auf dramatische Geständnisse vertraut die Inszenierung auf zärtlich-poetische Szenen, in denen sich auf der Wiese oder der Couch wortloses Verstehen entwickelt. Und natürlich stiehlt die charismatische, unglaubliche 80 Jahre zählende Catherine Deneuve allen die Show, wenn sie als hedonistische Solange Vorwürfe und Gesetze nonchalant ignoriert und ihren Lieben verschiedenste Arten der Entspannung beibringt. Wenn Solange in Karohemd und Gummistiefeln Lauras kleine Welt behütet, kann man sich keine bessere Fee wünschen.
Funny Birds – Das Gelbe vom Ei (Belgien/F 2024). Film von Marco La Via, 93 Min. Ab 6 J.
