Editorial
Über Bauernkriege, Militärausgaben undTrost in der Angst

als 14-jähriger Schüler habe ich mit der Theater-AG meiner Schule »Die Bauernoper« aufgeführt, eine musikalische Revue von Yaak Karsunke und Peter Janssens über den deutschen Bauernkrieg. Es war eine berauschende Erfahrung, auf der Bühne zu stehen und sich mit denen zu identifizieren, die am Ende sangen: »Geschlagen ziehen wir nach Haus, die Enkel fechten’s besser aus.« Ich war selbst ein junger Kerl, also einer der besungenen Enkel. Das Gefühl war: Hier bei den Bauernkriegen gibt es ein Vermächtnis, das wir immer wieder einlösen müssen; nämlich dass alle Menschen gleiche Würde haben. So war es mir eine Freude, dass ich die Titelgeschichte zum 500. Jubiläum des Bauernkrieges schreiben konnte und damit etwas mithelfen durfte, diese vergessene deutsche Revolution Ihnen ins Gedächtnis zu rufen(Seite 12). Nutzen Sie das Jubiläumsjahr vielleicht auch, um in eine der großen Landesausstellungen zum Bauernkrieg zu gehen, die es in Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern gibt.
Die aktuelle Weltlage verunsichert viele Menschen – mich auch. Ich kann mir die Welt nicht mehr in den Kategorien deuten, die ich gelernt habe. Wenn Europa und die USA nicht mehr zusammenstehen, was wird das für uns in Europa bedeuten? Dieser Frage sind wir in mehreren Beiträgen nachgegangen: Der Politikwissenschaftler Thomas Jäger analysiert die merkwürdige Allianz, die zwischen Trump und Putin entsteht, und was das für Europa bedeutet (Seite 26). Er kommt zu dem Schluss, dass wir gründlich in Aufrüstung investieren müssen. Meine Kollegin Judith Bauer wundert sich, dass sich in diesem Punkt alle so schnell einig sind und fordert, dass die drastischen Militärausgaben von kritischen Debatten begleitet werden (Seite 10).
Publik-Forum EDITION
»Das Ende des billigen Wohlstands«
Wege zu einer Wirtschaft, die nicht zerstört.»Hinter diesem Buch steckt mein Traum von einer Wirtschaft, die ohne Zerstörung auskommt. / mehr
Aus den USA kommen Stimmen, die uns die dortige Lage beschreiben. Ist, was dort passiert, eine Blaupause für Entwicklungen auch in Europa, wo rechte politische Strömungen ebenfalls an Macht gewinnen? Eine katholische Stiftung in Deutschland zeichnet einen Bischof aus, der Donald Trump in den höchsten religiösen Tönen lobt (Seite 7 und 32). Ein Zeichen, das zeigt, woher der Wind weht. Ich sage mir gegen meine Angst: Liebe und Kooperation werden stärker sein. Sie sind ein Prinzip des Lebens auf unserer Erde (Seite 48).
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen
Christoph Fleischmannist Redakteur im Ressort Religion & Kirchen.
Foto: Ute Victor
