63 Tage im Sommer
TV. Im Juli 2015 ist die Bundeskanzlerin gerade mit der Verhinderung des »Grexit« beschäftigt, als immer mehr Flüchtlinge über den Balkan nach Europa streben; ihr erklärtes Ziel ist Deutschland. 63 Tage dauert das Tauziehen unter den europäischen Ländern - bis zu Angela Merkels einsamem Entschluss am 4. September, die Grenze offen zu halten. Nach Motiven des Sachbuchbestsellers »Die Getriebenen« von Robin Alexander hat Stephan Wagner nun einen gleichnamigen Fernsehfilm gedreht, der diese Entwicklung minutiös nachzeichnet. Für den detaillierten Blick hinter die Kulissen werden Dutzende Politiker, verkörpert von jeweils erstaunlich ähnlich aussehenden Schauspielern, bis in ihr Privatleben hinein porträtiert. Im Zentrum steht die abwartende Angela Merkel, die, von Sicherheitspolitikern und dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zur Grenzschließung gedrängt wird und – vergebens – auf eine europäische Lösung setzt. Während der weltpolitische Kontext der EU-Flüchtlingspolitik nur angerissen wird, zeigt dieses vielstimmige Drama stattdessen, wie sehr Politik von Medienbildern und Affekten getrieben wird und wie schwer es ist, zugleich verantwortlich und moralisch zu handeln.
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