in Memoriam
Ja und Amen
Uta Ranke-Heinemann war weltweit die erste Frau, die auf einen Lehrstuhl für katholische Theologie berufen wurde. Die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann war ursprünglich evangelisch, konvertierte in den 1950er-Jahren nach ihrer Heirat, studierte zusammen mit Joseph Ratzinger, habilitierte sich in München und lehrte Neues Testament und Alte Kirchengeschichte in Essen.Mit Sprachwitz und schneidender Schärfe prangerte sie immer wieder die Verlogenheit der katholischen Sexualmoral an. Als sie das Dogma von der (biologischen) Jungfräulichkeit Mariens in Abrede stellte, entzog ihr der damalige Bischof von Essen, Franz Hengsbach, 1987 die Lehrerlaubnis. Kurz danach erschien ihr Hauptwerk »Eunuchen für das Himmelreich«, das zu einem Klassiker der Kirchenkritik wurde. In dem Buch »Nein und Amen« erklärte sie 2011 ihren Abschied vom »traditionellen Christentum«. Die parteilose Theologin engagierte sich politisch in der Entwicklungshilfe und in der Friedensbewegung. Sie besuchte Moskau, Kambodscha und Nordvietnam, kandidierte für die »Friedensliste« und wurde von der PDS als Gegenkandidatin zu Johannes Rau für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. Sie starb am 26. März im Alter von 93 Jahren.
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